Couch oder nicht Couch?


Psychische Leiden führen sehr oft zu Ohnmachtgefühlen. Da ist die Vorstellung, sich bei einem Analytiker auf die Couch zu legen, so abwegig, dass man nicht weiter über eine Psychoanalyse nachdenken möchte. Doch natürlich ist das den Psychoanalytikern klar. Wenn Sie sich vor der Couch fürchten, seien Sie beruhigt: Psychoanalytische Therapien werden auch im Sitzen durchgeführt.

Gerade für Patienten, denen es wichtig ist, die Kontrolle zu behalten, ist die Therapie im Sitzen oftmals günstiger. Viele Patienten brauchen den nonverbalen Halt, den sie im Sitzen durch den Therapeuten erfahren. Blickkontakte im Sitzen können Halt geben und zum Fortschritt der Therapie beitragen; manchmal können sie jedoch auch hinderlich sein.

Der Analytiker bespricht mit dem Patienten, in welcher Form die Therapie am besten durchgeführt werden sollte. Da Psychoanalytiker meist feinfühlig und sehr gut ausgebildet sind, haben sie normalerweise auch ein gutes Gespühr dafür, was sie ihrem Patienten zutrauen können und was nicht.


Manchmal wird eine psychoanalytische Therapie, die im Sitzen beginnt, später auch im Liegen fortgeführt. […] Im Liegen ist der Patient mehr sich selbst überlassen. Dadurch entstehen dann teilweise ganz andere Gespräche. [...]

Psychoanalyse kann also sowohl im Sitzen als auch im Liegen stattfinden. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Im Liegen erzählen kontrollierte Menschen oft freier. Andererseits können schwere Traumata manchmal im Liegen auch schwerer zur Sprache kommen, weil die Kontrolle, die man im Sitzen hat, fehlt. Was für den Patienten am günstigsten ist, müssen Therapeut und Patient also immer gemeinsam herausfinden.

Quelle: Voos, Dunja (2014): Psychoanalyse tut gut. Ein Ratgeber für Hilfesuchende. Gießen: Psychosozial-Verlag.